Powerpaket und Pausenclown (2) – Ein Vierteljahr

Kurz bevor der Dezember und das Jahr 2006 zu Ende gehen, möchte ich die ersten drei Monate mit meinem Podenco-Junghund kurz Revue passieren lassen.
Eines steht fest: Nichts ist mehr so, wie es einmal war. Chico hat unser Leben umgekrempelt. Es ist jetzt wieder sehr viel aufregender und lustiger, aber auch mächtig viel anstrengender. Welch angenehmes Leben man als Zweibeiner mit einem gut ausgebildeten, älteren Hund haben kann, merkt man erst, wenn der Junghund den Alltag “bereichert”.

In drei Tagen wird Chico acht Monate alt, er hat viel gelernt in den drei Monaten bei mir, aber merklich erwachsener ist er deswegen nicht geworden. Wir müssen immer noch höllisch aufpassen, was er gerade anstellt, er findet immer noch “Schwachpunkte” in unserem Haushalt.
Ich zum Beispiel war ja gegen einen Weihnachtsbaum, aber nun steht doch einer im Wohnzimmer, zwar auf einem Tisch, “bewacht” werden muss er trotzdem. Chico findet den Christbaumschmuck zum Anbeißen gut. An Heiligabend hat er es fertig gebracht, eine Bienenwachskerze komplett und ohne Krümel zu verspeisen, wenig später ein liegengelassenes Streichholz dazu – und als wenn er aufgrund dieser Dummheit sicher gehen wollte, hatte er kurz danach die Telefonnummer vom Tierarzt im Maul.

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Chico mit seinem WeihnachtsgeschenkWie sich das für einen Junghund in seinem Alter gehört, testet Chico auch immer wieder die Grenzen aus, die ihm gesteckt werden – und das ausgiebig und mit einer unglaublichen Hartnäckigkeit. Ich kann nur alle zukünftigen Podenco-Besitzer warnen: Lasst euch nicht um den Finger wickeln, gebt nicht diesem Blick und den hängenden Ohren nach. Ich weiß, wie schwer das ist, manchmal bin ich selbst kurz davor, schwach zu werden. Aber Chicos Impertinenz hält mich dann doch davon ab.
Einige meiner Freunde schelten mich manchmal dafür, doch ich kann dagegen halten: Chico weiß inzwischen sehr genau, wo sein Platz im “Rudel” ist und das ist auch gut so.

Manchita hat er als zweite Chefin nach mir anerkannt, die Prinzessin hilft mir hin und wieder bei der Erziehungarbeit, sie spielt aber inzwischen auch jeden Tag mit Chico. Sind wir am Elbstrand, muss ich mein Prinzesschen allerdings etwas vor den rüden Spielaufforderungen Chicos schützen. Er rempelt und pöbelt einfach zu gern. Wollen wir hoffen, dass sich das eines Tages legt.
Nur unsere betagte Elo-Dame Ginger dagegen nimmt er nicht für fünf Cent ernst, und dass obwohl sie sich ihm gegenüber sehr zickig und mit Haaren auf den Zähnen zeigt. Vielleicht müsste Ginger einmal wirklich zubeißen, statt nur zu drohen …

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Chico mit seinem besten Freund Sunny am Elbstrand.

Was Chicos Ausbildung angeht, da habe ich an mich natürlich hohe Ansprüche und wünschte mir es ginge schneller. Aber wenn ich ehrlich und realistisch bin, kann ich sehr zufrieden sein. Chico arbeitet sehr gut an der Schleppleine mit, er kennt die wichtigsten Signale, befolgt sie auch meist. Er zeigt schon jetzt einen ausgeprägten Jagdtrieb, hat allerdings gelernt, die Ohren nicht ganz auf Durchzug zu schalten, für seinen Zweibeiner erreichbar zu bleiben, was bei einem Podenco einiges bedeutet. Die Schleppleine schleift oft komplett auf dem Boden.
Am Elbstarnd bekommt der Racker immer seinen dringend benötigten Freilauf und auch da zeigen sich kleine Erfolge. Zwar ist sein Radius immer noch immens und sind potentielle Spielgefährten am Horizonzt zu sichten, bin ich hergeschenkt, auch von einer korrekten Abrufbarkeit sind wir noch meilenweit entfernt. Aber er hat gelernt, auf mich zu achten, wechsle ich die Richtung kommt er hinterher, löst sich dafür sogar häufig aus einem Spiel. Rufe ich – was ich nur tue, wenn ich mir fast 100 %ig sicher bin, dass er das Signal befolgt – kommt er und sitzt sehr oft sogar korrekt vor mir ab.
Im neuen Jahr wird er wohl an ausgewählten Stellen immer öfter und mehr Freilauf bekommen.
Das alles liest sich positiv, doch es liegt mir fern etwas zu beschönigen. Diese Erfolge haben mir viel Zeit, Kraft und Konsequenz abgefordert. Kein einziges “Etappenziel” fiel uns bisher in den Schoß, alles hart erarbeitet – von Chico und mir. Da geht es mir als Hundetrainerin nicht wesentlich anders als jedem anderen Hundebesitzer.
Ob es eine weise Entscheidung war, sich den Junghund im Herbst zu holen, sei auch dahin gestellt. Ich hatte die lange Periode der Dunkelheit nicht ausreichend bedacht, sie behindert die Ausbildung doch enorm. Um so mehr freue ich mich darauf, dass die Tage im neuen Jahr nun wieder länger werden.

In diesem Sinne wünsche ich allen Hundehaltern, Hundefreunden und jenen die diesen Blog lesen ein wunderschönes Jahr 2007.

Eine Reaktion zu “Powerpaket und Pausenclown (2) – Ein Vierteljahr”

  1. Dunja

    Hallo, ich bin hier gelandet, weil ich ebenfalls “Leidtragende” bin:

    1. ein Welpe zum gut erzogenen 7jährigen Ersthund (erwachsen und auch erzogen, wir wussten es nur nicht richtig zu schätzen… aus dem Tierschutz) dazu
    2. der Welpe (auch aus’m Tierschutz) scheint Podenco-Blut zu beherbergen
    3. die Jahreszeit nicht bedacht (lange dunkel und recht frisch, so nachts draussen wartend, bis die Kleine endlich gebieselt hat)

    Auweia, das hab ich mir insgeheim einfacher vorgestellt, obwohl ich doch immer mit Cassandra-Monologen meinen Mann und Sohn gewarnt hab…

    Aber - unsere Katzen leben noch, das Hündchen ging noch nicht verloren und hat auch noch keinen Hasen erlegt und auch ich bin noch nicht völlig im Eimer ;o)

    In diesem Sinne warte ich gespannt auf weitere ermutigende und mitgefühlte Berichte

    Dunja

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