Der Podenco
Elegant und edel, dabei dennoch wild und ursprünglich; sanft und verschmust, trotzdem unabhängig; intelligent und verspielt, aber auch arrogant und unnahbar. Ein sprunggewaltiger Jäger mit einer Leidenschaft für Mäuschen. Eine Katze in Hundegestalt?
Ja, manchmal benehmen sich Podencos wie unsere Samtpfoten, mit denen sie bisweilen ganz unproblematisch das Lager teilen. Aber um es vorweg zu nehmen, Podencos sind Hunde, auch sie stammen vom Wolf ab. Wilde Spekulationen wonach der Schakal vor Urzeiten bei der Entstehung dieser Rasse mitgewirkt hat, sind bis heute nicht bewiesen. Überhaupt liegt die Vergangenheit der Podencos noch sehr im Dunkeln.
Aufgrund ihre Ähnlichkeit mit den altägyptischen Windhunden gibt es Vermutungen, dass einer der Ahnen der Tesem, der Pharaonenhund, war. Der wiederum wurde vielleicht irgendwann mit anderen Windhunden verpaart. Und schließlich sorgten Phönizier, Karthager und Griechen in der Antike für die Verbreitung dieser sehr beliebten Hunde im gesamten Mittelmeerraum. Das wäre eine Erklärung für das doch sehr vergleichbare Äußere von Podenco, Kelb tal-Fenek (Malta), Cirneco d’ell Etna (Sizilien) und auch Kritikos Lagonikos (Kretischer Hund).
Auf den Balearen, den Kanarischen Inseln und auch auf der iberischen Halbinsel tritt der Podenco in unterschiedlichen Schlägen auf.
- Podenco Ibicenco (Balearen und Pityusen)
- Podenco Canario (Kanarische Inseln)
- Podenco Andaluz (Südspanien)
- Podengo Portugues (Portugal)
Bis auf den Podenco Andaluz werden sie seit 1987 von der FCI, der Fédération Cynologique Internationale, in der Gruppe 5 (Spitze und Hunde vom Urtyp) geführt.
Gezüchtet werden Podencos ausschließlich für die Jagd, vorwiegend auf Kaninchen. Im Gegensatz zu den anderen Windhunden, die nur auf Sicht hetzen, setzen Podencos auch ihr feines Gehör und ihre ausgezeichnete Nase ein. Und sie jagen in der Meute, meist 6 bis 8 Hündinnen mit höchstens einem Rüden. Podencos dabei zuzusehen ist einfach atemberaubend.
Das ist ihre Leidenschaft, ihre wahre Bestimmung. Und genau das macht es auch so schwer, diesen Hunden hier bei uns gerecht zu werden.
Selbst wenn nur ein Teil Podencoblut in den Adern der Tierschutzhunde fließt, die nach Deutschland kommen – mehr oder weniger leidenschaftliche Jäger sind sie alle.
Darum kann es nicht oft genug erwähnt werden: Wer sein Leben mit einem Podenco oder Podenco-Mischling teilen will, der sollte sich darauf einstellen, einen ungewöhnlichen und sehr anspruchsvollen Hund an seiner Seite zu haben.
Deswegen gleich den Jagdschein zu machen, ist dann doch übertrieben, aber eine ausreichende Alternativbeschäftigung brauchen Podencos in jedem Fall. Dann ist es allen Unkenrufen zum Trotz auch nicht gänzlich ausgeschlossen, den Hund einmal ohne Leine frei laufen zu lassen. Nur ist es bis dahin ein weiter Weg, der sehr viel Arbeit, Zeit und Einsatz erfordert.
Podencos können durchaus dickköpfig sein, zudem haben sie eine sehr subtile Art ihre Menschen zu manipulieren. Packt man sie in Watte, nutzen sie diesem Umstand gewieft aus. Auf der anderen Seite vertragen Podencos weder Zwang, zu starken Druck, noch einen lautstarken Kommandoton.
Hat man allerdings das uneingeschränkte Vertrauen eines Podenco gewonnen und den richtigen Weg in der Ausbildung gefunden, dann ist er ein echter Traumhund!
Trotzdem stehe ich persönlich dem Podenco-Boom, der in den letzten Jahren entstanden ist, sehr kritisch gegenüber. In unserem dicht besiedelten Nordeuropa wird die Hundehaltung ganz allgemein durch zahlreiche „Hundegesetze“ immer mehr eingeschränkt. Einem geborenen Jäger und Sprinter wie dem Podenco da noch ein artgerechtes Leben zu ermöglichen, dürfte sehr schwierig werden.

